Corto Maltese

Corto Maltese ist ein Matrose, ein Abenteurer,
ein Freibeuter, ein „Glücksritter“.

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Corto Maltese wurde am 10. Juli 1887 auf Malta als Sohn einer Zigeunerin aus Sevilla und eines Seemanns aus dem keltischen Cornwall geboren.

Von seiner Mutter erbt er seine mediterranen Züge und seine Leidenschaft, von seinem Vater die Sehnsucht zu Reisen sowie sein Bestreben, Geheimnissen auf den Grund zu gehen und hinter die Fassaden der Dinge zu schauen.

An seinem Geburtsort, auf Malta, besucht Corto eine jüdische Schule und wird u.a. mit den Lehren der Kabbala vertraut gemacht. Als junger Mann verbringt er mehr und mehr Zeit an dem Ort, wo das bunte Leben spielt: Im Hafenbezirk, wo die Schiffe auf ihrer Mittelmeerroute zwischen Europa und Afrika Station machen, begegnet er einer schier endlosen Zahl an Menschen, Kulturen und Geschichten.

Schon in seiner Jugend lernt er, dass er sich hinsichtlich der menschlichen Natur keine Illusionen machen muss und jede Wahrheit immer mehrerer Seiten besitzt. Andererseits erkennt er auch, dass man die Hoffnung auf eine bessere Welt und seinen inneren Kompass deswegen nicht aufgeben darf: Freiheit und Unabhängigkeit lohnen stets, dafür zu kämpfen.

Früh in seinem Leben offenbart sich Cortos Charakter. Eines Tages in Cordoba ergriff eine Freundin der Mutter die linke Hand des Jungen und betrachtete diese entsetzt: Sie besaß keine Schicksalslinie. Corto, kaum zehn Jahre alt, zögerte nicht lange, schnappte sich das Rasiermesser seines Vaters und schnitt sich selbst eine Glückslinie in seine Hand.

Ganz in der Tradition von Odysseus reiht sich Corto unter die großen Reisenden der Weltgeschichte ein. Seine Sehnsucht gilt fernen Ländern, wo einen noch Magie und Rätsel erwarten. Für ihn ist das Abenteuer, so risikoreich es auch werden mag, Jungbrunnen für Körper und Geist.

Mit jedem Schritt, den Corto macht, zeigen sich die Prinzipien, die ihn wahrhaft ausmachen. Eine Reise mag bei ihm mit der Jagd nach einem Schatz, etwa nach einem magischen Gegenstand, oder mit dem Versuch, eine alte Karte zu entschlüsseln, beginnen. Doch man begreift schnell, dass er sich weniger für das Ziel interessiert als für die sinnliche Erfahrung neuer Entdeckungen. Nie verliert er seine angeborene Wertschätzung für treue Freundschaft oder echten Respekt für die Personen, die ihm begegnen.

Es ist unmöglich, Cortos politische Agenda oder seine sozialen Ideale auf den Punkt zu bringen. Die Erzählungen seiner Heldentaten führen uns an so weit entfernte Orte wie die Mandschurei, Karibik, Äthiopien, Irland, Patagonien, Neuguinea oder Polynesien. Und auch wenn seine Abenteuer in den ersten dreißig Jahren des 20. Jahrhunderts spielen, sind seine Überlegungen und seine Sprache bereits überaus fortschrittlich.

Die Welt von Corto Maltese ist ein Kaleidoskop an kulturellen Begegnungen und Bewegungen, die die Menschen ergreifen, wenn sie in die unterschiedlichsten Umgebungen geworfen werden oder auf Persönlichkeiten stoßen, die mit größter Vehemenz ihre Ziele zu erreichen versuchen. Die Reichweite und Intensität dieser Kollisionen erzeugt unwillkürlich Momente, die irgendwo zwischen Realität und Fantasie liegen. Cortos Beziehungen zu Frauen basieren auf gegenseitigem Respekt. Die Frauen in seinen Geschichten sind nicht nur komplexe Figuren – sie agieren zumeist auch als intelligente Wegweiser ins Unbekannte. Die Welt der karibischen Mystik, einschließlich des Voodoo, zieht uns dank der brasilianischen Hexe Golden Rosemouth in ihren Bann. Die sozialen und politischen Dimensionen der Chinesischen Revolution (1911-1912)

werden mithilfe der entschlossenen und einfallsreichen Rebellin Shanghai Li zum Leben erweckt. Die mythischen Legenden der keltischen Welt und die Fabeln von Morgana und Merlin finden sich in dem weiblichen Banshee-Wesen wider, das Corto in seinen Träumen begegnet. Die Kultur und Philosophie Griechenlands bekommen ihren Auftritt, als die geheimnisvolle Hypatia die Bühne betritt, eine Reinkarnation der berühmten spätantiken Astronomin und Philosophin aus Alexandria.

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Wenn wir Corto Maltese bei seinen märchenhaften Erlebnissen begleiten, werden wir auf jeder Seite ermutigt, uns der Welt der Fantasie und der Überraschungen hinzugeben, die um uns herum existiert. Die Abenteuer von Corto lassen ihn mit historischen Persönlichkeiten wie Jack London oder Stalin, Gabrielle D’Annunzio oder Butch Cassidy zusammentreffen. Diese Begegnungen verwickeln Corto in die Weltgeschichte, wie wir sie kennen. Aber Corto rückt nicht nur Leben und Schicksal dieser berühmten Figuren teils in neue Kontexte, er lässt auch den vermeintlichen Randfiguren der Weltgeschichte zu Wort kommen, und somit Personen, die exemplarisch für die vielen Frauen und Männer stehen, die den großen historischen Kräften ausgesetzt waren, die die Welt in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erschütterten.

Der Erste Weltkrieg etwa wird durch eine kleine Gruppierung deutscher Marinesoldaten wachgerufen, die auf dem Pazifik patrouilliert und zwangsläufig in Berührung kommt mit Kriegern aus Papua-Neuguinea sowie neuseeländischen Schiffen; während der Russischen Revolution verfolgen wir das Schicksal eines gepanzerten Zuges, der die gehorteten Schätze des verfolgten russischen Adels transportiert und entsprechend zum Ziel für Bolschewiki, chinesische Geheimgesellschaften sowie Verbrecherbanden wird, die natürlich ganz andere Vorstellungen davon haben, was sie mit der einmal eroberten Beute anstellen werden.

Das sind nur einige der Dimensionen, innerhalb derer sich die Geschichten entfalten. Corto kann skeptisch sein, er bleibt aber unermüdlich neugierig zu erfahren, was die weite Welt für ihn bereithält. Im Verlauf der vielen Abenteuer wächst sein Wissen und das des Lesers. Gleichzeitig gewinnt seine eigenwillige persönliche Moral Konturen. Corto hält stets an den Prinzipien Loyalität und Freundschaft fest, Prinzipien, die über die Grenzen ethnischer Herkunft und sozialer Klasse gehen.

Corto zeigt sich gleich selbstsicher und offen gegenüber jedem, dem er begegnet. In der Sache kann er ebenso kompromissbereit wie durchsetzungsfähig sein, egal ob ihm ein britischer Admiral oder ein einfacher Maori gegenübersteht; er kämpft an der Seite äthiopischer Rebellen genauso wie an der Seite abtrünniger deutscher Offiziere. Seine intellektuelle Neugier zeigt sich in seinen Gesprächen mit so unterschiedlichen Figuren wie dem Rabbi Melchisedech, dem chinesischen Weisen Vita Lunga oder einem ehrwürdigen Dominikanermönch, den er in der Lagune von Venedig trifft.

Corto Maltese ist ein moderner Anti-Held, der an das unerschöpfliche Potenzial des Menschen glaubt. Er scheut kein Risiko, wenn es darum geht, die feine Linie zwischen Glück und Wahnsinn, Erfolg und Scheitern auszuloten. Für Corto stärken und bereichern selbst die spektakulärsten Misserfolge seinen Geist, sein Wissen und seine Loyalität.

Corto Maltese ist ein idealer Reisebegleiter, denn er ist ein wahrer Freund, ein unerschrockener Anführer und jemand, der stets den Dialog sucht.

  • Corto Maltese - Südseeballade
    1967 
  • Corto Maltese – Im Zeichen des Steinbocks
    1970 
  • Corto Maltese – Und immer ein Stück weiter
    1970-1971 
  • Corto Maltese – Die Kelten
    1971-1972 
  • Corto Maltese – Die Äthiopier
    1972-1973 
  • Corto Maltese – In Sibirien
    1974 
  • Corto Maltese – Venezianische Legende
    1977 
  • Corto Maltese – Das Goldene Haus von Samarkand
    1980 
  • Corto Maltese – Abenteuer einer Jugend
    1981 
  • Sogno di una biennale di fine estate
    1982 
  • Corto Maltese – Tango
    1985 
  • Corto Maltese – Die Schweizer
    1987 
  • Corto Maltese – Mu
    1988 
  • Corto Maltese – Unter der Mitternachtssonne
    2015 
  • Corto Maltese – Äquatoria
    2017