Corto Maltese – Südseeballade (1967)

Szenario und Zeichnungen von Hugo Pratt

Diese lange Comic-Erzählung erschien erstmals in der Startausgabe des Comic-Magazins „Sgt Kirk” (Juli 1967, Florenzo Ivaldi editore).

Dieses Werk ist unangefochten Pratts Meisterstück. Es umfasst mehrere Geschichten, die zusammenhängen und unvergessliche Figuren enthalten: die junge, hübsche Pandora, auf der Schwelle vom Kind zur Frau, der rätselhafte Mönch, dessen Gesicht immer von der Kapuze seiner Kutte verborgen bleibt, der tückische, wütende Pirat Rasputin, Pandoras Bruder Cain, Leutnant Slütter von der deutschen Kriegsmarine, die Eingeborenen Cranio und Tarao und schließlich Corto Maltese. Obwohl Corto Maltese hier seinen ersten Auftritt hat, ist er nicht zwingend die Hauptfigur der Geschichte, sondern eher eine Randfigur – tatsächlich bezeichnete Pratt immer Pandora als zentrale Figur des Abenteuers. Das Werk ist ein frühes Beispiel für einen literarischen Comic und inspiriert von der Abenteuerliteratur solcher Autoren wie Conrad, Stevenson und London, am direktesten aber noch von Henry de Vere Stacpoole und seiner Geschichte „Die blaue Lagune“. Dort bekam Pratt die Idee einer kleinen Insel im Pazifik, die er La Escondida taufte. Der Rhythmus der Erzählung ist hochmodern und die Handlung beginnt im November 1913 in der Südsee (Melanesien, Papua-Neuguinea) zu einer Zeit, als sich der Erste Weltkrieg abzeichnet, doch in der die romantischen Ideale des 19. Jahrhunderts noch nachwirken. Grafisch außergewöhnlich sind die Bezüge zu den Kostümen der Epoche, den Militärdivisionen, der Kultur der Aborigines sowie zu der Weite der Landschaften, die mit wenigen Strichen lebendig wird.