Corto Maltese – Abenteuer einer Jugend (1981)

Szenario und Zeichnungen von Hugo Pratt
sowie Guido Fuga als Berater bei der Darstellung der Schiffe und des Hafens auf den letzten Seiten

Diese längere Erzählung umfasst 65 Seiten und erschien erstmals ab dem 6. August 1981 als täglicher Comic-Strip in der französischsprachigen Tageszeitung „Le Matin de Paris.

Diese Erzählung ist eine Reise in die "jungen Jahre" unseres Helden, als er Ende 1905 zur Zeit des Russisch-Japanischen Krieges in die Mandschurei kommt. Er ist gerade 18 Jahre alt geworden. Die Geschichte erzählt im Wesentlichen das erste Aufeinandertreffen mit Rasputin, der zu diesem Zeitpunkt aus einem sibirischen Schützenregiment desertiert ist. Die komplizierte Beziehung der beiden so unterschiedlichen Abenteurer, die bereits in „Südseeballade“ und den folgenden Begegnungen eine spannende Vorgeschichte vermuten lässt, findet hier einige Erklärungen. Eigentlich ist der Protagonist dieser Geschichte nicht Corto Maltese, der nur gegen Ende kurz auftaucht, sondern Rasputin und der Schriftsteller Jack London, der zu dieser Zeit Kriegskorrespondent in der Region war, bestimmen die Handlung. London, so scheint es, hat Corto schon einmal getroffen, denn er spricht zu anderen Figuren über Corto, als ob dieser ein alter Freund wäre. Die Persönlichkeiten von Rasputin und Jack London werden in dieser Geschichte von Hugo Pratt ausführlich beschrieben. Dabei kommt Rasputin alles andere als gut weg: Er ist durch und durch eine dämonische Figur, da klar wird, dass ihm schon zu Jugendzeiten Ideale, Ehre oder Treue nichts bedeuteten. Er tötet mit beunruhigender Leichtigkeit und lügt und betrügt ohne zu zögern. Gleichwohl offenbart Hugo Pratt mit Corto Malteses seltsamer Freundschaft zu Rasputin, dass Gefühle und Beziehungen nicht immer rational erklärbar sind und dass auch eine Hassliebe zwei Menschen zusammenschweißen kann – so verwunderlich dies auch erscheinen und auf immer bleiben mag. Doch auch Jack London wird hier sehr kritisch hinterfragt: Pratt nutzte seine profunden Kenntnisse des Themas, um bestimmte Positionen zu relativieren, u. a. die weit verbreitete Meinung, der zukünftige Schriftsteller habe in jenen Tagen sozialistische Ideale verfolgt. In dieser Geschichte ist London viel mehr interessiert an Fragen der „Rasse“ als an sozialistischer Politik. Tatsächlich war London in diesem Krieg eindeutig auf der Seite der Russen, nicht wegen ihrer Ansichten zum Klassenkampf, sondern primär wegen ihrer völkischen Agenda.