Corto Maltese – In Sibirien (1974)

Auf Deutsch: Corto Maltese – 6. In Sibirien

Szenario und Zeichnungen Hugo Pratt)

Diese längere Erzählung umfasst 99 Seiten und erschien erstmals in der Startausgabe des Comic-Magazins „Linus“(Januar 1974). Insgesamt erschien „In Sibirien“ kapitelweise bis Ausgabe 7 (Juli 1977).

Mit dieser Geschichte ging Pratt dazu über, die einzelnen Abenteuer von Corto Maltese breiter zu erzählen, sodass die unterschiedlichen Konflikte und Figuren noch mehr Tiefgang bekommen. Auch Anknüpfungen an die anderen Abenteuer erfolgen verstärkt – u. a. taucht Rasputin wieder auf! –, die erneut zeigen, wie bunt und komplex der Kosmos von Corto Maltese mittlerweile ist. Teils verweisen einzelne Details sogar auf die Biografie von Pratt selbst. Ein Beispiel: Jenes Gericht, auf das im italienischen Originaltitel verwiesen wird (N.T. Corte Sconta detta arcana) und den Begriff "Sconta" enthält, was "versteckt" bedeutet, verweist auf die „Geheimlogen“, die Pratt aus seiner Jugend aus Venedig kannte. Und es ist auch in dieser Stadt, in der man Corto Maltese zunächst vermutet – bevor man merkt, dass er in Hongkong ist und alles nur ein kurzer Traum war. So gedankenversunken beginnt „In Sibirien“, doch schnell wird Corto Maltese wieder in die Gegenwart geholt, als er von den „roten Laternen“ – einer chinesischen Geheimgesellschaft, die ausschließlich aus Frauen besteht – den Auftrag erhält, einen mit Gold beladenen gepanzerten Zug zu finden, der dem letzten russischen Zaren Nikolaus II. gehörte. Die Mission führt ihn von China in die Regionen Mandschurei, Mongolei und Sibirien, und er ahnt bereits, dass die Jahre 1919 und 1920 keine gute Zeit dafür sind und dass viele andere ebenfalls auf die Jagd nach dem Goldzug gehen werden: diverse Militärverbände, Revolutionäre und nicht zuletzt die Konterrevolutionäre, die von Baron Roman von Ungern-Sternberg angeführt werden, einem russischen General, der die Asiatische Kavalleriedivision befehligt. Ebendieser bietet Corto an, neben ihm zu kämpfen, um die gesamte Mongolei zu erobern – ein Vorschlag, den Corto sofort ablehnt. In dieser Geschichte tauchen auch zwei wichtige weibliche Figuren auf, die herzlose Herzogin Marina Seminowa (eine Vertreterin der alten Aristokratie, die vor dem Niedergang steht) und die pfiffige Shanghai-Li (eine Spionin der „Roten Laternen“, die Cortos Leben retten wird). Corto fühlt sich sofort von ihr angezogen, und zum Ende hin versucht er sie in dem Dorf zu finden, in das sie sich zurückziehen wollte, nur um herauszufinden, dass sie dort angekommen einen einfachen Bauern namens Ling geheiratet hat … Anmerkung: Eine der vielen Neuauflagen dieser Geschichte, die nach der Veröffentlichung in „Linus“ erschienen, ist die wunderbare Hardcover-Ausgabe von Libri (Dezember 1977). Es erschienen nur 5.000 Exemplare dieses Buches, das unter Sammlern sehr begehrt ist, da es erstmals die ganze Geschichte in einem Band versammelte.